„Oh, nein, nicht schon wieder Vollnarkose!“, dachte ich gestern, als ich die klaffende Wunde am Hals meines Hundes sah. Doch um eine Narkose ist er leider nicht herumgekommen, damit die Wunde wieder mit etlichen Stichen vernäht werden konnte.
Mein Tag war gelaufen, ich war aufgeregt und konnte mich nur schlecht wieder beruhigen. „Wären wir doch nur zu Hause geblieben… hätte ich doch nur den Hund zu Hause gelassen…es sollte doch nur ein kleiner Ausflug werden… schon wieder so viel Geld für den Tierarzt bezahlen…“, diese und andere Gedanken gingen mir den ganzen Tag im Kopf herum. Allerdings hatten wir gestern bei all der Aufregung noch total viel Glück im Unglück und davon will ich Euch erzählen.
Zuerst einmal der Reihe nach. Am Montag, den 30.04. wollten wir einen kleinen Ausflug nach Speyer unternehmen. Wir hatten nichts geplant, sondern wollten uns nur treiben lassen und evtl. am Rhein entlang spazieren gehen. Da man diesen Spaziergang auch gut mit Hund machen kann, beschloss ich, Hobbes einzupacken und ihm auch mal etwas Abwechslung zu gönnen.
So kamen wir bei strahlendem Sonnenschein und recht schwül-warmen 30 Grad im gut besuchten Speyer an und machten uns auf den Weg Richtung Park und Stadtmitte. Am Brückentag zum 01. Mai und bei dem schönen Wetter waren richtig viele Spaziergänger und Touristen, mit und ohne Hunde, unterwegs. Der erste Vierbeiner der uns begegnete, wedelte aufgeregt und begrüßte Hobbes, beide schnuffelten aneinander und gingen dann ihres Weges.
Den zweiten Hund – genauso klein und auch ein Mischling – trafen wir vor dem Dom. Auch hier schnüffelten beide und begrüßten sich, bis plötzlich und ohne Vorwarnung, der fremde Hund ein kurzes Bellen von sich gab und mein Hund aufgeregt aufschrie. Hobbes macht das allerdings öfter, da er sehr schreckhaft ist, so dachte ich mir nicht gleich etwas dabei. Wir entfernten uns vom fremden Mischling und ich wunderte mich noch, ob der Aufschrei meines Hundes nun aus Schmerz oder Schreck erfolgte?
Zuerst liefen wir weiter, doch dann, etliche Meter entfernt bemerkten wir Bluttropfen. Als wir unseren Hund genauer untersuchten sahen wir erst einmal nichts. Dann entdeckten wir eine riesige, aufgerissene Wunde direkt unterhalb des Kinns.
„Oh, Gott, das sieht ja schlimm aus!“, waren meine ersten Worte und so ließ ich Hobbes und sein Herrchen im Schatten rasten und beeilte mich, um zur nächsten Polizeidienststelle zu gehen. Dort erhoffte ich mir eine Auskunft, wo sich der nächste Tierarzt befindet. Als ich bei der Polizei an der Info stand, sagte mir die Dame hinter der Glasscheibe freundlich aber bestimmt, dass sie mir nicht helfen könnte, da sie nicht wüsste, wo ein Tierarzt zu finden sei. Dennoch könnte ich mir die Adressen selbst im Telefonbuch nachschlagen.
Das tat ich dann auch, sah dabei aber wohl so hilflos aus, dass mich eine freundliche junge Frau ansprach: “Kann ich Ihnen helfen?” Erleichtert bejahte ich und erzählte ihr, was passiert war.
„Soll ich denn mal einen Blick darauf werfen?“ bot sie mir gleich an. „Ja, wenn Sie Ahnung davon haben?“, erwiderte ich ein wenig verdutzt. Ohne zu zögern folgte mir Tanja – wie sich ihr Name später herausstellte – auch gleich nach draußen und begutachtete die Wunde.
„Das ist nicht so schlimm, nur die oberste Hautschicht, samt Fell ist abgezogen worden. Die Wunde muss allerdings genäht werden, sonst reißt sie immer wieder auf.“ Es war beruhigend zu hören, dass nichts noch schlimmeres geschehen war. „Aber wo finde ich denn nun einen Tierarzt?“, fragte ich meine Begleiterin. „Sie haben Glück, ich bin Tierarzthelferin und kann meinen Chef anrufen, ob Sie mit Ihrem Hund gleich nach der Mittagspause bei uns vorbeikommen können. Dann könnten wir ihn gleich operieren.“ Nach diesen Worten Tanjas schaute ich nicht schlecht, denn ich hatte eine solch direkte Hilfe gar nicht erwartet. Freundlicher Weise rief die Tierarzthelferin bei ihrem Chef an und vereinbarte sogleich, dass wir in etwa 2 Stunden vorbeikommen könnten und er die Wunde vernähen würde.
Unser Aufatmen war groß, denn Hobbes ging es soweit gut, auch wenn die Wunde buchstäblich blutrot und riesig war. Scheinbar spürte er jedoch keinen größeren Schmerz und würde auch bald versorgt werden. Tanja schlug uns vor, uns doch nun erst einmal von dem Schock zu erholen und uns einen Kaffee und Hobbes einen Schluck Wasser zu gönnen.
So suchten wir uns ein nettes Schattenplätzchen, doch kaum saß ich, so fiel mir auch schon wieder ein, dass wir nun den fremden Hundebesitzern nicht Bescheid sagen konnten, dass ihr Hund Unseren gebissen hatte. „Mist!“, dachte ich, „Jetzt bleiben wir schön auf den Kosten sitzen!“
Noch als ich meinen Ärger über das Versäumnis mit einer kühlen Cola herunter spülen wollte, lief an uns – welch Zufall – die Frau mit dem bissigen Mischlingsrüden vorbei. „Halt! Hallo! Bitte bleiben Sie stehen! Schauen Sie mal!“, ohne zu zögern hielt ich meinem Hund den Kopf hoch um den Blick auf das freigelegte Fleisch zu zeigen. Der Anblick versetzte die Hundebesitzerin in Schrecken: „Oh Sch…“, sprudelte es aus ihr heraus, „Das tut mir unendlich leid! Gehen Sie gleich zum Tierarzt und schicken Sie mir die Rechnung. Wir sind ja versichert, dann kann ich die Kosten weiterleiten.“, und sofort streckte sie mir ihre Visitenkarten entgegen, die ich auch gleich im Austausch mit meiner eigenen, entgegen nahm.
„Puh, Glück gehabt. So etwas läuft auch nicht immer so reibungslos ab. Trink mal was und mach dir keine Sorgen mehr, alles wird gut!“ Hobbes Herrchen blieb nun die Aufgabe mich und den Hund zu trösten. Aber er hatte Recht, bisher lief alles total perfekt ab, sodass ich es fast kaum glauben konnte. Wie konnte es sein, dass ich „zufällig“ auf der Polizeistation eine Tierarzthelferin treffe, die auch noch gleich innerhalb kürzester Zeit einen Termin für mich organisiert? Und wie konnte es sein, dass wir in all dem Touristen-Troubel auch noch „zufällig“ wieder die gleiche Hundebesitzerin treffen, die sich entschuldigt und mir ihre Karte gibt, um die Kosten zu übernehmen?
Ich kann es immer noch kaum glauben, dass der Montag nach all den Ereignissen nun doch noch so gut ausging. Um 14.00 Uhr waren wir pünktlich beim Tierarzt, die Wunde wurde gleich versorgt und man bot uns auch noch an, dass wir Hobbes erst gegen 18.00 Uhr wieder abholen können, damit er sich von der Narkose ein wenig erholen kann, bis wir uns wieder auf den Nachhauseweg machen konnten. So blieben uns auch noch ein paar Stunden Zeit, um noch durch die Stadt zu schlendern und wenigstens eine Kleinigkeit zu Essen.
Tanja, die liebenswerte Helferin, erzählte uns dann aber auch noch, warum sie auf der Polizei anzutreffen war. Ihre Tochter hatte geklaut und damit diese ihre Tat für immer bereut, wollte die Mutter ein Gespräch mit einem Polizisten organisieren, damit sich die 13-Jährige sozusagen selbst anzeigt. Welch ein Pech für die Tochter, welch Glück für mich! Im Gespräch konnte ich dann doch auch einiges von der erfahrenen Hilfe wieder gut machen, denn nun konnte Tanja ihr Herz ausschütten und wir ihr ein wenig Beistand geben. Mir tat es dabei gut zu sehen, dass ich Tanja im Gegenzug wieder beruhigen konnte.
Damit nun die gesamte Story ein gutes Ende nimmt, sollte die Besitzerin des unwirschen Mischlings nun „nur“ noch ohne zu Zögern die Kosten für die Behandlung übernehmen und sich Hobbes gut von dem Ereignis erholen. Obwohl alles bisher so gut lief, möchten wir nicht noch einmal Ähnliches erleben. Was auch immer sich in der nächsten Zeit zu diesem Ereignis tun sollte – ich halte Euch auf dem Laufenden!
Erleichterte Grüße sendet Euch
Lymaera